3. Herren

Nicht nur sportlich ein Team

Unter den Leistungsteams im Großflottbeker THGC genießen die hockeyspielenden 3. Herren in vielerlei Hinsicht einen Sonderstatus. Denn die Männer zwischen 25 und 55 Jahren sind nicht nur sportlich erfolgreich – zu erwähnen sind hier sicherlich der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2017 sowie diverse Viertelfinal- und Halbfinalteilnahmen bei der Deutschen Meisterschaft der 3. Mannschaften seit 2011 – sondern auch enorm gesellig. Und sie scheuen sich nicht vor Verantwortung: So ist Andries de Groen seit Mai 2017 Schatzmeister des GTHGC. Viele weitere Spieler engagieren sich ehrenamtlich in verschiedensten Bereichen. Und so ist es nur logisch, dass die 3. Herren seit jeher absolut offen für zugezogene Neu-Hamburger sind. Zum harten Kern der Mannschaft gehören inzwischen nicht nur der bereits erwähnte Holländer, sondern auch Engländer und sogar ein Bremer.

Empfang der Meistermannschaft 2017 am Helmut-Schmidt-Flughafen

Die tiefe Liebe zum Hockey ist die all umspannende Klammer für diese Mannschaft, aber längst nicht alles! Auf Facebook gönnen sie sich eine eigene Meinung und stoßen auch über die Grenzen Hamburgs hinaus Diskussionen an. Sie organisieren im Club Veranstaltungen wie das alljährliche „Anhockeln“, kümmern sich um die Vermittlung von Jobs und Wohnungen und sind gern auf Reisen. Das Turnier auf Barbados 2006 gehört noch immer zu den schönsten Erinnerungen, ein Turnier in Singapur könnte aber schon bald zu einem weiteren Highlight werden.

Die 3. Herren, die sportlich von Benny Laub betreut und gelegentlich beraten werden, spielen auf dem Feld und in der Halle jeweils in der 2. Hamburger Verbandsliga. Einmal pro Woche gibt es eine knackige Trainingseinheit. Danach geht es gemeinsam an den Tresen, um sich über die wirklich wichtigen Dinge auszutauschen. Das hört sich in dieser Kürze ziemlich unspektakulär an. Deshalb finden Sie im Folgenden die eigene Beschreibung der 3. Herren eines typischen Trainingstages:

Kennt Ihr diese eine Rubrik sonnabends im Abendblatt? ‚Mein perfekter Sonntag‘ war eigentlich immer nett. Obwohl diese halbe Spalte in letzter Zeit immer häufiger von Agenturtypen unterwandert wird, die an ihrem perfekten Sonntag auf dem Weg zur Alster noch kurz in der Agentur vorbei schauen, um die Mails vom Lieblingskunden zu beantworten. Und dessen Produkt erwähnen sie dann bei einer fürchterlich konstruierten Situation innerhalb ihres kurzen Texts zu allem Überfluss auch noch. Wenn die so beschriebenen Sonntage für diese Typen wirklich perfekt wären, ließe das natürlich auch tief blicken. Einer der letzten wirklich coolen im Abendblatt erschienenen Sonntage war der von Daddel. Und der hat hier als Unternehmer sein eigenes Unternehmen nicht erwähnt.

Jedenfalls saßen wir 3. Herren Mittwoch nach dem Training zusammen und haben überlegt, dass das gerade wieder mal ein echt perfekter Mittwoch war. Deshalb wollen wir den hier für euch kurz skizzieren.

7:00 Uhr
Es ist Mai. Wir werden mit Frau, Freundin und/oder Kindern wach. Die Sonne scheint, und wir denken, dass das Wetter fürs heutige Training ziemlich optimal ist.

8:00 Uhr
Auf dem Weg zum Bahnhof, zum Flughafen, zur Uni, ins Büro überlegen wir, wie wir alle Termine so organisiert bekommen, dass wir um spätestens 18:00 Uhr wieder zu Hause sind, damit wir es pünktlich um sieben in den Club schaffen.

12:00 Uhr
Die Wahl des Essens will heute besonders gut überlegt sein. Ist es zu fettig, gibt’s beim Training schön Pfötchen. Beschränkt man sich auf Salat, kann es einem ergehen, wie Ulle seinerzeit am Berg: Hungerast!

14:00 Uhr
Der Himmel über Hamburg wird schwarz. Es stürmt. Und der plötzlich einsetzende Regen ist eigentlich kein Regen, sondern eher eine Sintflut.

17:00 Uhr
Der letzte Termin zieht sich unnötig. Erste Blicke aufs Smartphone. 20 neue Nachrichten im WhatsApp-Verteiler. Alberner Unsinn. Aber man lacht sich kaputt.

18:30 Uhr
Enges Höschen. Umziehen zu Hause klappt nicht mehr. Schnell die Klamotten in die Tasche gepfeffert, und los geht’s.

18:45 Uhr
Die Wolken reißen auf. Die Sonne kommt wieder raus, und die Luft ist fantastisch frisch und klar.

18:55 Uhr
Wir biegen mit lauter Musik in die Zufahrt zum GTHGC. Und während wir auf den Christianeumsplatz gucken und denken, dass wir ja jetzt glücklicherweise nicht mehr von Pete um den Platz gescheucht werden, wird uns von den Bodendellen fast ein bisschen übel.

19:00 Uhr
Umziehen am Platz. Der Drill Instructor bittet zum Warm-up. Irgendwas mit Crossfit. Easy.

19:02 Uhr
Während der ersten Bahnen gleichen die gut 25 anwesenden 3. Herren einer Grundschulklasse auf Klassenfahrt. Aufgeregtes Reden. Ohne Pause. Durcheinander.

19:05 Uhr
Stabis. Langweilig. Obwohl: Als Biff „Noch 30 Sekunden halten!“ ruft, zittern unsere Körper in der Liegestütz schon. Aber kaum sichtbar.

19:05 Uhr und 30 Sekunden
Das Wehklagen wird sehr laut und entlädt sich in einem kollektiven Seufzer. Bis zur nächsten Übung.

19:10 Uhr
Es gibt Applaus für den Vorturner, der unser Aufwärmprogramm vor einer anderen staunenden Herrenmannschaft, die auf der anderen Platzhälfte trainiert, beendet hat.

19:15 Uhr
Zwei Torhüter sind da. Und so geht’s gleich los mit Torschussübungen. Wenn nur die langen Wege zum Kreis nicht wären.

19:16 Uhr
Der Platz ist perfekt gewässert. Und die ersten Schläge sitzen richtig gut. Gutes Timing, locker durch geschwungen, die Keule berührt kaum den Rasen.

19:20 Uhr
Boah! Selbst die Aggi klappt. Ungläubiges Raunen der anderen.

19:45 Uhr
Die Übungen werden komplexer. Spielaufbau über 5 Stationen. Der Trainer brüllt: „Geile Passhärte! Weiter Männer!“ Ein Ruck geht durch die Truppe, die hoch konzentriert weitermacht.

20:00 Uhr
Kurze Unterbrechung. Zwei Kleinfeldspiele werden vorbereitet. 4 Mannschaften à 4 Spieler eingeteilt. Kontersituationen üben. Klappt reibungslos.

20:02 Uhr
Ist das Balotelli, der da gerade sein Leibchen nicht angezogen bekommt?

20:15 Uhr
Das nächste Lob vom Trainer: „Sauber Männer, so will ich das sehen! So, kurze Trinkpause, dann Spielo!“

20:20 Uhr
In weniger als 20 Sekunden sind zwei exakt gleichstarke Teams eingeteilt.

20:30 Uhr
Das Spiel wogt hin und her. Starker Aufbau hüben wie drüben, gute Zuteilung im Mittelfeld, unfassbare Reflexe von den Torhütern.

20:31 Uhr
Drei Golfspieler beenden ihre Runde, ziehen am Platz entlang Richtung Clubhaus, werden langsamer, beneiden uns ganz offensichtlich.

20:35 Uhr
Das Flutlicht an der Otto-Ernst-Straße geht an. Die Nachbarn stehen auf den Balkonen und rufen: „So stark haben wir euch lange nicht gesehen!“

20:45 Uhr
Kurze Rangelei, als der Trainer überraschend sagt, dass das Training zu Ende sei.

20:47 Uhr
Die Nachbarn rufen: „Ist schon okay, wenn ihr noch ein paar Ecken schießt.“

20:50 Uhr
Freiwillig geht keiner.

20:55 Uhr
Der Trainer macht das Licht einfach aus und schubst uns Richtung Clubhaus.

20:56 Uhr
Wir betreten das Clubhaus. Bayern spielt das CL-Halbfinale gegen FC Barcelona. Es ist voll, Flottbeks 1. Damen und die GTHGC 1.Herren am Start, es riecht nach Burgern, eine Kiste eiskalter Knollen steht schon bereit für uns.

21:00 Uhr
Die Gespräche, die wir zum Warm-Up einstellen mussten, werden weitergeführt. Sonores Gemurmel, lautes Gelächter. Wie Lewa den nicht rein macht, das erinnert uns an … na … gegen Vici hatten wir doch auch so ne Chance… Aber da kommt schon die nächste Kiste.

23:00 Uhr
Fußball ist längst vorbei. „Nein, für mich wirklich keins mehr! Ich muss noch fahren.“

23:30 Uhr
Als wir das Clubhaus in großer Runde verlassen, ist nur die Bewässerung der Tennisplätze an. Sonst ist es still.

Männer, das ist doch das Leben!

Wenn der sportliche Erfolg stimmt, dann sind die 3. Herren bekanntermaßen auch in der Lage, diesen gebührend und formvollendet zu feiern. Wie dieses Video der DM 2015 eindrucksvoll belegt.

Es ist einfach eine verdammt fotogene Mannschaft

Deutsche Meisterschaft, Halle, Fast-Aufstieg, Boxtraining in der Ritze, Karneval oder auf Reisen. Die 3. Herren treffen den richtigen Ton.

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